Diese Existenzform definiert sich durch Nähe zum Hochkultur- und Spannungsschema und durch Distanz zum Trivialschema. Durch die Nähe zu Hochkultur- und Spannungsschema manifestiert sich in den alltagsästhetischen Zeichen der Genuss von Mozart und Rockmusik, der Besuch eines Museums und eines Kinos, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kontemplation und Action und ein hohes Maß an Perfektionismus und Narzißmus.

Das Selbstverwirklichungsmilieu ist höchst mobil, hat eine hohe Neigung zur Selbstdarstellung und dominiert deswegen unsere Alltagserfahrung in den Studentenkneipen, Szenebars, Cafés, Vergnügungs- und Shoppingzentren der Großstädte. Prototyp einer Existenzform im Selbstverwirklichungsmilieu ist der Student. Auch nach dem Studium sind viele noch über Jahre hinweg studentenähnlich und streben ständig nach mehr. Dies äußert sich im Zeichenwechsel, Ortswechsel, Beziehungswechsel, Karrierewechsel, Einsteigen, Umsteigen [und] Aussteigen (Die Erlebnisgesellschaft, 6.5 Selbstverwirklichungsmilieu, S.313). Wissensdurst und lebenslanges Lernen sind Maxime in diesem Milieu, wie die ständige Suche nach neuen Erlebnissen.

Die Bereitschaft dieses Milieus zur politischen Unterordnung ist äußerst gering. Deswegen ist dieses Milieu immer wieder Ausgangspunkt sozialer Bewegungen gewesen (Studentenbewegung, Frauenbewegung, Friedensbewegung). Es setzt sich immer besonders präsent in Szene. Angehörige dieses Milieus haben einen ichverankterten Ich-Welt-Bezug, bei dem das Ich als gegeben und die Welt als variable Größe betrachtet wird.

Sie denken: So bin ich – Wie kann die Welt für mich passend gemacht werden? (Gerhard Schulze, 1992)

Es folgt eine tabellarische Charakterisierung des Selbstverwirklichungsmilieus, die dem Buch „Die Erlebnisgesellschaft“ von Gerhard Schulze entnommen ist.

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