Um Bedarf und Akzeptanz unter der Zielgruppe zu untersuchen, wurde eine europaweite Online Umfrage für Filmstudenten, -professoren und -lehrende erstellt. Die Teilnahme an der englischen Umfrage war nicht sehr hoch, so dass die Ergebnisse beider Umfragen in diesem Kapitel zusammen dargestellt und erläutert werden. Eine Email mit der Bitte um Beteiligung ging an ca. 60 Filmhochschulen aus Europa. Bei vorhandenen Kontakten, wurden direkt Professoren und Lehrbeauftragte addressiert, mit der Bitte den Link zur Umfrage an ihre Studenten weiterzuleiten. Außerdem wurde in einschlägigen Foren für Filmemacher ein Beitrag mit der Bitte um Beteiligung europäischer Filmemacher hinterlassen.

Online Umfrage

An den Ergebnissen der ersten Frage fällt auf, dass sich überwiegend Personen beteiligt haben, die in Deutschland oder der Schweiz arbeiten und vermutlich auch leben. Das erweckt den Eindruck hohen Interesses und einer starken Szene in diesen Ländern.

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Obwohl diese Umfrage an Filmemacher gerichtet war, wird auch von dieser Zielgruppe das Medium Film größtenteils zur Unterhaltung genutzt. Die Angabe Beruf steht entgegen den Erwartungen hinten an.

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Das Kino ist nach wie vor der beliebteste Ort, sich einen Film anzusehen. Dies mag an der Möglichkeit liegen, nur dort richtig in den Film eintauchen zu können. Allen Erwartungen nach ist das Fernsehen die zweite Wahl, dicht gefolgt vom Internet. Generell scheint das Internet als Präsentationsmedium für Filme angenommen zu werden. Mit dem Zusammenwachsen von Internet und Fernsehen in einem Gerät und einer schnellen Internetanbindung zur Übertragung der Filme in HD-Qualität, besteht kein Unterschied mehr, ob der Film aus dem Netz oder von einer DVD bzw. BluRay-Disc kommt.

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Im vorigen Kapitel über die Videoplattformen im Netz wurde deutlich, dass es schon einige Video Communities und spezialisierte Archive gibt. Dennoch scheinen viele von der Datenflut abgeschreckt. An den Ergebnissen der Frage 4 wird deutlich, dass der Wunsch nach Überschaubarkeit und Spezialisierung existiert.

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Auch die Frage nach dem Nutzen zeigt, dass sich die meisten Nutzer der Internetarchive – und dies kann mit Sicherheit auch auf andere Archive übertragen werden – von der Datenflut schlichtweg überrollt fühlen. Viele wünschen sich eine überschaubare Auswahl – Qualität statt Quantität. Dies kann durch Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe und durch Vorauswahl der Beiträge durch eine qualifizierte Fachjury geschehen.

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Die Wünsche nach den Inhalten sind so individuell, wie die Befragten selbst. Tendenziell ist der Wunsch nach anspruchsvollen Arbeiten und narrativen Kurzfilmen ohne kommerziellen Hintergrund erkennbar. Zwei von 51 wünschen sich lustige Filmclips von Hobbyfilmern, was angesichts der Befragten nur als Spaß gedeutet werden kann.

Online Umfrage

Die Frage nach der Verbreitung zeigt, dass die meisten Nutzer der Ansicht sind, mit ihren Arbeiten im Internet die ganze Welt erreichen zu müssen. Die Mehrheit wünscht sich eine internationale Plattform, mit Auswahl der wichtigsten Sprachen. Dies ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Der Nutzen einer solchen Plattform soll primär die Vermittlung von kreativen Filmemachern, Filmfestivals und Filmproduktionen sein. Dazu scheint es sinnvoll, eine Plattform zu entwickeln, die im soziokulturellen Kontext des deutschsprachigen Raumes angenommen wird. Englisch als zweite Sprache scheint sinnvoll, da auch viele internationale Filmstudenten in Deutschland, Österreich oder der Schweiz studieren. Die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und die Zürcher Hochschule der Künste sind zwei renommierte Filmhochschulen von internationalem Rang und Namen, aus deren Hause hochwertige Filme stammen. Auf arte läuft eine Sendung für Kurzfilme (Kurzschluss), in der häufig Arbeiten der Filmakademie Baden-Württemberg gezeigt werden.

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Die Mehrheit ist der Meinung, dass das Medium Film geeignet ist, im Internet abgebildet zu werden. Auch wenn richtige Cineasten einen Film lieber auf einer großen Leinwand mit Surround Sound sehen wollen, führen immer größer werdende Displays, heimische Surround Sound Anlagen und die zunehmende Qualität im Internet gezeigter Videos dazu, den Ansprüchen der Filmliebhaber auch im Internet gerecht zu werden. Eine gute Bild- und Tonqualität ist den Befragten deutlich am wichtigsten. Die überwiegende Mehrheit ist aus diversen Gründen der Meinung, dass ein Film sich gut für eine Online Präsentation eignet.

Online Umfrage

Über die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass eine Plattform offen sein muss, damit sie genutzt wird. Wie auf openfilm und FilmNet müssen die Filme auch Besuchern der Plattform zugänglich sein, damit sie von vielen gesehen werden. Eine vorherige Registrierung stellt eine zu große Hürde dar.

Online Umfrage

Auch in diesem Ergebnis zeigt sich, dass viele Filmschaffende der Meinung sind, noch keine richtige Plattform im Internet für ihre Filme gefunden zu haben. In den bisherigen Video Communities und Filmarchiven ist die Vielfalt schon zu groß, um noch ausreichend wahrgenommen zu werden. Viele wünschen sich auch eine Verbindung aus Community und Archiv, damit Filmschaffende sich untereinander vernetzen können.

Online Umfrage

Nur vier von 44 Teilnehmern geben an, sich nicht mit eigenen Beiträgen beteiligen zu wollen. Diese Zahl scheint mit der vierten Antwort der vorherigen Frage (Nein, ich mache mir Sorgen um mögliche Urheberrechtsverletzungen) zu korrelieren. Die Mehrzahl gab an, sich vielleicht beteiligen zu wollen. Diese Antwort war zu erwarten, weil man erst einmal den Nutzen einer Beteiligung abwägen muss. Nur wenn die Filmemacher in einer Beteiligung einen Vorteil für sich sehen, werden sie sich beteiligen. Vorteile können u. a. sein, den Bekanntheitsgrad zu steigern, gu           te Kontakte zu knüpfen und mit dem Verkauf der Filme Geld zu verdienen.

Online Umfrage

Nach der letzten Frage hatte jeder die Möglichkeit, Anmerkungen und Kritik in einem freien Textfeld zur Übermittlung zu verfassen. Davon haben vier Teilnehmer Gebrauch gemacht. Auf den folgenden zwei Seiten sind die Texte der Respondenten zu lesen. Die Rechtschreibung der Originaltexte ist vor der Aufnahme in diese Arbeit korrigiert worden.

Teilnehmerkommentare der Online Umfrage

1. Die Antwortmöglichkeiten sind häufig sehr speziell bzw. werten zu sehr.

2. Sorry, dass ich so viel schreibe! Aber ich mache mir schon jahrelang Gedanken und ich denke, das Internet wird im Bereich Film/Video noch zu wenig ausgenutzt. Ich schaue regelmässig Serien aus Amerika, die ich aus dem Netz laden kann. Viele tun das und viele sind süchtig danach. Dasselbe mit Filmen. Das müsste auch legal möglich sein und das wäre eine riesen Chance unabhängig von Festivals, Fernsehen und Kino seine Filme zu zeigen. Wichtig: QUALITÄT (sowohl Bild/Ton wie auch Inhalt), wobei Qualität nicht mit Geschmack verwechselt werden darf. Problem: GELD. Viele Filmemacher (mich eingeschlossen) hoffen auf kleine Preisgelder oder Förderungsgelder via Festivals – das Web ist daher für viele angsteinflössend. Dort können dann alle den Film sehen und man bekommt dafür nichts. Deshalb wäre – keine Ahnung, wie man das realisieren könnte – ohne, dass die Konsumenten bezahlen müssen (was, wie ich glaube, keiner macht, weil man sich die Grossen auch gratis runterladen kann), einen Anreiz in Form eines Preises [zu schaffen], wenig Geld, [eine] Möglichkeit den nächsten Film zu sponsorn etc., von grossem Vorteil. Oder: der Ausblick auf einem Festival, im Fernsehen oder einem Museum zu laufen (durch vorhandene Kontakte zwischen denen und der Webseite). Kurz: ich glaube man muss den Filmemachern etwas in Aussicht stellen, das sie auf Vimeo nicht bekommen.
Noch Stichworte (ich zerbreche mir wirklich den Kopf ;o): Webserien (wenn das mal zieht, hat man Leute die immer wieder kommen) Hört sich doof an, aber die Möglichkeit seine DVDs oder Zusatzmaterial (T-Shirt, Bücher, Requisiten, Dinge, die es online nicht gibt) zu verkaufen. Themenwochen.
Ich wünsche viel Glück und freue mich, was zu hören :o) Bis dann treibe ich mich halt noch auf Vimeo rum und ertrinke in der Flut von extrem guten und extrem schlechten Clips… Robin […]. Hier Seiten mit Interessanten Ansätzen. Kennst du wohl schon alles: http://www.filmnet.com, http://mubi.com, http://frischfilm.sf.tv

3. Ich glaube eine spezialisierte Videoplattform muss wirklich spezielle Videos zeigen und sich klar abgrenzen. Es sollte eine klare Sparte sein, z.B Videokunst, Videoessay. Wenn diese Seite gut publiziert wird, wissen alle für Videokunst gehe ich auf diese Seite. Eine Plattform für Videokunstschaffende wäre sicher relevant, damit man auch online vertreten ist und wahrgenommen wird. Es könnte auch eine spezielle Videoplattform sein, die sich auseinandersetzt mit neuen filmischen Erzählformen.

4. Im Internet wird soviel geboten, dass es schwierig ist einen Durchblick zu behalten, ohne ewig Zeit zu verlieren. Also wünsche ich mir immer etwas Spezielles oder Spezialisiertes, das leicht zugänglich ist, aber vertieft in einer Materie.

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