Das Thema Video im Internet ist aktueller denn je. Als die Mehrheit der Nutzer noch mit Modems ins Internet gegangen ist, war die Übertragung eines Bildes schon eine kleine Revolution. Damals mussten Bilder noch weboptimiert sein, um sie in angemessener Zeit versenden und empfangen zu können. Heute spielt Weboptimierung von Bildern keine Rolle mehr und es wird viel Wert auf Größe und Qualität gelegt. Ähnliches vollzog sich mit Filmen im Internet. Was mit stark komprimierten Minutenclips in Briefmarkengröße begonnen hat, ist heute auf dem Stand von HD-Videostreaming in voller Spielfilmlänge. Die technischen Voraussetzungen für eine angemessene Bild- und Tonqualität sind erfüllt.

Dies haben auch viele Unternehmen erkannt und es gehört mittlerweile zum guten Ton, sich im Internet mit einem Video zu präsentieren. Imagefilme landen zunehmend auf den Webseiten großer Unternehmen, Produkte werden in Onlineshops mittels Video präsentiert, Funk-tionsweisen werden mit Videoanimationen demonstriert, Lernvideos werden erstellt und auch als Hintergrund einer Flashwebsite kommen Videos zum Einsatz. Das Netz gerät in Bewegung.

Während früher die Kunst ein Video zu machen noch technisch versierten Filmemachern vorbehalten war, haben sinkende Preise der Videotechnik, einfacher zu handhabende Geräte und Software und die schnelle Wissensvermittlung im Internet dazu geführt, dass nun jeder Mensch zum Filmemacher werden kann. Viele scheinen dabei außer acht zu lassen, dass nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch eine künstlerische Ausbildung notwendig ist, um dem Medium Film eine Bedeutung zu geben. Solche expressiven Filme findet man verstärkt im Umfeld der Filmhochschulen, wo Bildästhetik, Dramaturgie, Sounddesign, Filmmusik und Drehbuchschreiben gelehrt wird. All diese Komponenten müssen gekonnt eingesetzt werden, um dem Drehbuch den richtigen Ausdruck zu verleihen.

Es gibt viele talentierte Filmstudenten, die nach ihrem Studium in der Werbe- und Imagefilmproduktion arbeiten. Es sind die Wenigsten, die nach ihrem Studium den Aufstieg in die Filmproduktion schaffen und zu einem Regisseur von internationaler Bedeutung werden. Dies ist sicher der Traum eines jeden Filmstudenten.

Filmstudenten nutzen viele Möglichkeiten, um sich einen Namen zu machen. Angesichts der heutigen Filmflut müssen sie dies auch tun. Herkömmliche Filmfestivals sind mit Sicherheit von größter Bedeutung, um sich zu präsentieren. Auch dort herrscht großer Andrang, und es ist nicht mehr so einfach, durch die Vorauswahl der Jury bedeutender Filmfestivals wie den internationalen Oberhausener Kurzfilmtagen zu kommen, die auch Roman Polanski, Wim Wenders und viele mehr zu international anerkannten großen Regisseuren gemacht haben. Die Bedeutung dieses Festivals wird an den Worten Adorno‘s deutlich:

Was im deutschen Film heute anständig ist, hängt mehr oder minder mit der Oberhausener Gruppe zusammen.
(Theodor W. Adorno an Siegfried Kracauer, Quelle: www.kurzfilmtage.de/57-internationale-kurzfilmtage-oberhausen.html (16.09.2010))

Zusätzlich zur Teilnahme an Festivals nutzen Filmemacher auch das Internet, um ihre Arbeiten zu zeigen. Dies wird von vielen mit großer Skepsis getan. Der Film verliert durch eine Veröffentlichung im Internet seinen Wert, weil ein Film im Internet immer nur eine Kopie darstellt. Nach den traditionellen Bewertungskriterien der Museen ist ein Film im Internet nicht mehr als Kunst anzusehen. Er ist nicht mehr original, einzigartig, authentisch und rar.

Deshalb sollten nur Filme im Internet veröffentlicht werden, die bereits auf einem Festival liefen, da viele Festivals keine Filme annehmen, die bereits veröffentlicht wurden. Das unentgeltliche Veröffentlichen von Filmen im Internet ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sehen viele die Filme, ohne dass der Filmemacher dafür honoriert wird. Auf der anderen Seite muss man mindestens einen guten Film „verschenken“, um sich als unbekannter Filmemacher erst einmal einen Namen zu machen. Die Gefahr, dass ein anderer Filmemacher eine Idee klaut, besteht immer.

Interessant für Filmemacher wäre ein überschaubarer Filmbestand, mit dem man als Betreiber der Plattform aktiv auf Interessenten zugeht und die Filme vermarktet. Dies kann durch Kontakte zu namhaften Festivals, TV-Sendern, Filmproduktionen und anderen Kulturveranstaltungen geschehen. Denkbar wäre auch die Produktion, Vermarktung und der Verkauf einer DVD-Reihe mit Kurzfilmen oder die Filme als kostenpflichtigen Download zu verkaufen. Durch ein Beteiligungsmodell können Filmemacher am Verkauf der Filme mitverdienen, wie es auf rathershort.com möglich wäre, wenn die Seite besser programmiert und vermarktet würde.

Die Masterclass der Filmakademie Baden-Württemberg und der Filmhochschule Paris (La Fémis) kooperieren mit arte und dem SWR. Die deutsch-französisch koproduzierten Filme laufen in der Sendung Kurzschluss auf arte. Teilweise sind sie auch auf der Website von arte abrufbar.

Durch die Ausstrahlung im TV erhalten die Beiträge einen hohen Wert und Anerkennung in der Szene, was für junge Regisseure einen großen Schritt nach vorne bedeutet. Eine ähnliche Förderung muss eine Videoplattform im Internet für die Filmemacher darstellen, um Filmemacher zur Beteiligung an einer Videoplattform zu animieren. Wie die Ergebnisse der Umfrage und insbesondere die Kommentare der Nutzer zeigen, herrscht die Meinung vor, dass eine geeignete Plattform für Kurzfilme im Internet fehlt.

Bisherige Unternehmen scheinen eher am Erfolg der eigenen Plattform, als am Erfolg der Filmemacher interessiert zu sein. Zwar bieten sie Filmemachern die Möglichkeit, sich an eigenen Festivals zu beteiligen oder andere Festivals zur Teilnahme in einer Datenbank zu recherchieren, doch kommt es immer sehr auf die Eigeninitiative der Filmemacher an.

Die Ergebnisse der Umfrage nach Distribution zeigten eindeutig den Wunsch nach einer weltweiten Marktausrichtung mit den wichtigsten Sprachen und den inhaltlichen Wunsch nach narrativen Kurzfilmen und anspruchsvollen Arbeiten jeder Art ohne kommerziellen Hintergrund. D