Geschichtlich gesehen gehört das Kino zu den „Jahrmarktsattraktionen“. In der Frühzeit des Films wurde dieser als Konsumartikel betrachtet, der zum Verbrauch bestimmt war und durch nachfolgende Produktionen verdrängt wurde. Schnell entwickelte sich eine florierende Kulturindustrie, doch der Status als Kunst- und Kulturobjekt blieb dem Film lange verwährt. Wegen seiner Replizierbarkeit wurde der Film in Deutschland zunächst als archivarisch behördlich verwaltetes Dokument ohne künstlerische Bededutung gehandelt. Erst im Jahre 1980 kam es durch eine Empfehlung der UNESCO zu einer international verbrieften Anerkennung des Films als kulturelles Erbe.

In den 30er Jahren entstanden die ersten Filmsammlungen als private Initiative von Filmliebhabern. 1935 gründeten Henri Langlois und George Franju den Filmclub Cercle du Cinéma und ein Jahr später die Cinémathèque Française. Damit ist ein Begriff gefunden worden, der sich – neben dem Museum als Sammlung von Objekten, der Bibliothek als Sammlung von Texten – in die kulturellen Archive als Sammlung audiovisueller Produktionen einreiht.

Die Cinémathèque Française von 1936, das British Film Institute von 1933, die Cinémathèque Royale de Belgique von 1938 und die Filmabteilung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York von 1935 gehören zu den ersten und weltweit bedeutendsten Filmsammlungen, die die vier Aufgaben des institutionalisierten Museumswesens (Sammeln, Bewahren, (Er)forschen und Vermitteln) wahrnehmen.

In Deutschland nimmt diese Aufgaben der Kinematheksverbund, bestehend aus dem Bundesarchiv (Filmarchiv), der Deutschen Kinemathek (Museum für Film und Fernsehen) und dem Deutschen Filminstitut (DIF), wahr.

„Alle drei Einrichtungen arbeiten überregional und sind unabhängig voneinander mit Filmarchivierung und kinemathekarischer Auswertung befasst.“
www.ausstellungen-kinematheksverbund.de/?page_id=2 (8.8.2010)

Sie übernehmen die Funktion einer zentralen deutschen Kinemathek und eines Filmarchivs. Zu den kooptierten Partnern des Kinematheksverbundes gehören auch der CineGraph Hamburg, das Filmmuseum Düsseldorf, das Filmmuseum München, das Filmmuseum Potsdam, das Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart und das Goethe-Institut.

Das 1963 gegründete Filmmuseum in München verfolgt ein ganz anderes Konzept. Als Abteilung des Stadtmuseums verzichtet es auf eine Dauerausstellung und entbehrt damit einer klassischen Museumsstruktur. Es konzentriert sich vielmehr auf die Restauration und Rekonstruktion zerstörter und verlorengegangener Filme und nimmt als kommunales Kino verstärkt die Vermittlerrolle wahr.

Das liegt auch an der Beschaffenheit des Films. Es genügt nicht ihn als Objekt in die Ausstellung anderer Exponate einzureihen. Vielmehr bedarf es zur Ausstellung von Film eines Kinosaals bzw. einer „Black Box“. Damit unterscheidet sich die Ausstellung von Filmen von den klassischen Präsentationsformen der Museen.

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