Die Idee des Konzepts Gesamtkunstwerk lässt sich bis zur Romantik zurückverfolgen. Dort wird es namentlich zwar nicht erwähnt, jedoch sehnte man sich nach einem alles umfassenden Kunstwerk, der Vereinigung vieler Künste zu einem Gesamtkunstwerk. Die Musik galt den Romantikern als „noch viel Höheres denn die bildende Kunst“ (F. Schlegel). Man wollte nicht länger nur die Wirklichkeit kopieren, sondern vielmehr dem inneren Gemütszustand in den Kunstwerken Ausdruck verleihen.

Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854) vertrat diesen Gedanken der Musik als höchstes aller Kunstwerke ebenfalls.

„Wenn die drei Grundformen oder Kategorien der Kunst Musik, Malerei und Plastik sind, (ist) der Rhythmus das Musikalische in der Musik, die Modulation das Malerische […] und die Melodie das Plastische“.

(Friedrich Wilhelm Joseph von Schellings Sämmtliche Werke, J.G. Cotta´scher Verlag,  Stuttgart und Augsburg, 1859. Erste Abtheilung, Fünfter Band, II. Besonderer Theil der Philosophie der Kunst, Vierter Abschnitt, Construktion der Kunstformen in der Entgegensetzung der realen und idealen Reihe, S.496, Vorlesung „Philosophie der Kunst“, Universität Jena, 1803)

Schelling erweiterte diesen Gedanken und entwarf ein philosophisches System, das Identitätssystem (1800-1805), welches die Wirklichkeit, in der der Mensch lebt, mit der Welt des Geistes und der Welt der ästhetischen Gebilde eng verknüpft.

Schellings Ausgangspunkt ist die Gegensätzlichkeit von Natur und Geist; er hebt diese Grenze aber auf, indem er Natur und Geist, Reales und Ideales als identisch und die Wirklichkeit zum Gesamtesten aller möglichen Kunstwerke erklärt.

Damit betrachtet Schelling die Wirklichkeit als ästhetisches Gebilde, reduziert diesen Gedanken aber später zu einer „separierten ästhetischen Wirklichkeit“, um die Gefahren einer völligen Ermächtigung der Illusion abzumildern.

Nach der Kritik an dieser Theorie durch Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) sucht Schelling nach dem Kunstwerk, das sämtliche Künste in sich vereint und es dadurch wirklicher macht.

„Ich bemerke nur noch, daß die vollkommenste Zusammensetzung aller Künste, die Vereinigung von Poesie und Musik durch Gesang, von Poesie und Malerei durch Tanz, selbst wieder synthesirt die componirteste Theatererscheinung ist, dergleichen das Drama des Alterthums war, wovon uns nur eine Karrikatur, die Oper geblieben ist, die in höherem und edlerem Styl von Seiten der Poesie sowohl als der übrigen concurrirenden Künste uns am ehesten zur Aufführung des alten mit Musik und Gesang verbundenen Dramas zurückführen könnte.“

(Friedrich Wilhelm Joseph von Schellings Sämmtliche Werke, J.G. Cotta´scher Verlag, Stuttgart und Augsburg, 1859. Erste Abtheilung, Fünfter Band, II. Besonderer Theil der Philosophie der Kunst, Vierter Abschnitt, Von der modernen dramatischen Poesie, S.736, Vorlesung „Philosophie der Kunst“, Universität Jena, 1803)

Werbung