Seit Ende der 60er Jahre steigt in den Museen weltweit die Bereitschaft, auch Videokunst als eine Kunstform anzuerkennen. Wenn ein Objekt zu einer musealen Sammlung gehört, ist dies ein Garant für nachhaltige Anerkennung und öffentliche Geltung als Kunstwerk.

„Museal präsentierte Kunstwerke werden als auserwählt, qualitativ hochstehend und als kulturelle Parameter der Anerkennung durch die Gesellschaft angesehen.“
(Nam June Paik – Videokunst in Museen, Eunji Kim, Seite 49)

Die Kunstwerke werden von den Museen getreu ihrer Maximen auf Originalität, Einzigartigkeit, Authentizität und Rarität geprüft. Diese Tradition beruht auf einem über 400 Jahre alten Sammelkriterium der Kunstkammer aus dem 16. Jahrhundert. Seit Einzug der „bewegten elektrotechnischen Kunst“ in die Museen Anfang der 70er Jahre, scheint diese Tradition, besonders in Bezug auf Videokunst, kaum noch Beachtung zu finden. Denn wie kann man bei einem beliebig reproduzierbaren, immateriellen Objekt noch feststellen, welches das Original ist? Wie kann ein solches Objekt überhaupt noch einzigartig und rar sein? Der Celluloidfilm oder das Videoband sind schließlich nur Trägermedium und ohne entsprechende Belichtung bzw. magnetische Ladung wertloses Material.

Für die Verbreitung und museale Anerkennung der Videokunst sind vorrangig Künstler aus den USA und Kanada verantwortlich – nicht zuletzt weil das Fernsehen dort Anfang der 60er Jahre bereits 90% der Haushalte erobert hat. Mitte der 60er Jahre organisierten Künstler bereits erste Videofestivals in New York und Paris. Dort und in weiteren europäischen Ländern führten verschiedene Videoveranstaltungen und -ausstellungen zur Verbreitung des Videos als Kunstform. 1967 trug die erste in Japan käuflich erwerbbare, mobile Videokamera (Portapak) zur Mobilisierung des Videos bei. Künstler organisierten sich in Gruppen, um diese teure neue Technik gemeinsam finanzieren und nutzen zu können. Die Markteinführung der Portapak wurde allgemein als Auftakt für Videokunst angesehen. Künstlerisch betrachtet ist der Beginn des Videos als Kunstform auf die erste Ausstellung des „Pioneer of electronic art“ Nam June Paik 1963 in Wuppertal zurückzuführen.

In US-amerikanischen Museen war die Rezeption der Videos zunächst stark vom experimentellen Film geprägt und wurde als Konzeptkunst auch mit dem Charakter avantgardistischer Performance wahrgenommen. Den Anfang machte das Jewish Museum in New York 1967 mit der Ausstellung „The Artist as Filmmaker“ gefolgt vom Museum of Modern Art (MoMA) in New York, das 1968 seine erste Ausstellung mit Videos zeigte.

Zunächst wurden von den Museen nur Videoausstellungen organisiert. Videokunst gehörte noch nicht zum Präsenzbestand musealer Sammlungen und war nur Teil einer Ausstellung. Die erste reine Videoausstellung „A Special Video Show“ wurde vom Whitney Museum 1969 in New York realisiert.

Im Jahr 1972 kam es erstmalig in einem europäischen Museum zum Ankauf von Videokunst durch das Wallraff-Richartz-Museum in Köln. Nachdem zuerst vier Jahre bis zum nächsten europäischen musealen Ankauf von Videokunst vergehen mussten, kam es in den darauf folgenden vier Jahren von 1976 bis 1980 bereits jährlich zum Ankauf von Videokunst durch europäische Museen.

Auch in den USA begann 1972 das Everson Museum in Syracuse in New York die Videobänder der Künstler zu sammeln. Zunächst waren dies jedoch keine Ankäufe, sondern sich ansammelnde Videobänder, die die Künstler nach einer Ausstellung im Museum hinterließen. Nachdem das Everson Museum in Syracuse im März 1972 eine „Abteilung für die Videokunst“ einrichtete, zog das Museum of Modern Art in New York 1974 mit der Einrichtung eines „video department“ nach und begann als erstes Museum in den USA mit dem käuflichen Erwerb von Künstlervideoarbeiten.

Zunächst existierten in Europa noch keine eigenen Abteilungen für diese neue Kunstform. Erst nachdem das Musée National d´Art Moderne in Paris Mitte der 70er Jahre als zweites europäisches Museum begann Künstlervideos zu sammeln, wurde 1979 ein eigenes „Video Department“ im Centre Pompidou in Paris gegründet. Zeitgleich wurde als weltweit erster musealer Ankauf einer Videoinstallation eine Videoskulptur vom Stedelijk Museum in Amsterdam erworben. Die Museen unterscheiden bei den Videoarbeiten zwischen (künstlerischen) Videofilmen und Videokunst, zu der Videoinstallationen und Videoskulpturen zählen.

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