Eine festgelegte, allgemein verbindliche Definition des Begriffs Gesamkunstwerk gibt es nicht. Zunächst sollen einige Definitionen und Zitate die unterschiedlichen Auffassungen namhafter Kunst- und Geisteswissenschaftler das Gesamtkunstwerk charakterisieren, bevor Parallelen zwischen dem narrativen Film und dem Konzept Gesamtkunstwerk gezogen werden.

„[Das Wort Gesamtkunstwerk] ist nicht nur in der Kunstliteratur zu einer beliebig verwendbaren Begriffshülse geworden. […] Das Ganze geben, den Zusammenhang mit dem Universum aufdecken oder ein geballtes Universum realisieren zu wollen, ist nur ein Hang, ein Bekenntnis, eine Obsession, ein Destillat aus Kunst und Erlösungswunsch. Das Gesamtkunstwerk gibt es nicht.“
(Harald Szeemann, Ausstellungskatalog „Der Hang zum Gesamtkunstwerk“, Vorbereitungen, 1983)

Bildende Künstler haben besonders in jungen Jahren einen Hang zum Gesamtkunstwerk. Dieser weicht aber später der Ausarbeitung eines persönlichen Stils. Würden die Ganzheitsvorstellungen eines einzelnen Künstlers Wahrhaftigkeit beanspruchen und die Umsetzung dieser Vorstellungen in die Lebensrealität der Menschen erzwungen, dann würde das Konzept des Gesamtkunstwerks totalitär und das Kunstwerk selber in Totalitarismus ausarten.

„Gesamtkunstwerk. Vereinigung von Dichtung, Musik, Tanz und bildender Kunst zu einem einheitlichen Kunstwerk. […] Während aber bei Wagner, entgegen seinem Programm, das G. unter der Herrschaft der Musik stand, dominierte in verwandten Bestrebungen bei M. Reinhard und L. Dumont die Dichtung, im Bauhaus die Architektur. […]“
(Meyers Enzyklopädie 10, Mannheim 1974)

 

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